Generation Y - Was wollen die Digital Natives eigentlich?

Published on: 17 Aug 14:08

Millennials, Digital Natives, Trophy Kids…die Generation Y (geboren 1980-1995) hat viele Namen - wie kaum eine andere Generation vorher. Es gibt auch mehr Studien über diese Generation als über die der Babyboomer (1950-1965) oder die Generation X (1965-1980). Diese zeitlichen Einordnungen sind nicht allgemeingültig, sondern nur ungefähre Abgrenzungen. Angeblich ändert sich eine Generation alle 15 Jahre. Außerdem gehört nicht zwingend jeder einer bestimmten Generation an, nur weil er in dem jeweiligen Zeitraum geboren wurde. Aber dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Generationen, gewisse Trends, um die es in diesem Artikel geht. Worin genau liegt also der Unterschied zwischen den Generationen? Und was macht die Generation Y so besonders?


Das Y in Generation Y steht auch für das Englische „Why“ – was verdeutlichen soll, dass die heutigen 20-35 – Jährigen alles infrage stellen. Warum sollen wir genauso leben wie unsere Eltern und Großeltern? Warum sollen wir 40 Stunden pro Woche arbeiten und nur 30 Tage im Jahr Urlaub haben? Warum müssen wir uns zwischen Kindern und Karriere entscheiden anstatt beides zu haben? Warum müssen wir täglich ins Büro fahren, wenn wir auch von zu Hause arbeiten können?


Vom Babyboomer zum Trophy Kid

Dieser Gedankenwandel liegt hauptsächlich an der Erziehung sowie der Umgebung. Die Generation der Babyboomer wuchs in der Nachkriegszeit auf, weswegen ihnen materielle Sicherheit sehr wichtig war: Haus, Nahrung, Fortbewegungsmittel, sichere Einkommensquelle. Arbeit hatte damals den höchsten Stellenwert. Diese Werte wurden an die Kinder, die Generation X weitergegeben. Sie wuchsen in strengen Verhältnissen auf, was in den 1960er Jahren zu Widerständen gegen Eltern, Lehrer und Professoren führte. Letztendlich schlug die Mehrheit der Generation X dennoch den „bewährten“ Weg ein, der Sicherheit und Stabilität garantierte.

Doch im Gegensatz zu ihrer Vorgänger-Generation stellte die Generation X die Arbeit nicht vor andere Bedürfnisse, sondern betrachtete diese eher als Mittel zum Zweck. Eine gewisse Work-Life-Balance war ihnen wichtig. Die Generation X wollte nicht, dass ihre Kinder genauso aufwachsen wie sie selbst. Sie wollten ihnen mehr Freiheiten und mehr Mitbestimmung einräumen. Die Generation Y durfte von klein auf bei allen Entscheidungen mitwirken, sei es, welcher Hund angeschafft wurde, wohin in Urlaub gefahren wurde, etc. Sie bekamen außerdem für alles Medaillen, um Beschwerden seitens der Eltern zu vermeiden – deswegen auch Trophy Kids. Hinzu kommt das Umfeld. Die Generation Y wuchs in einer sehr wohlhabenden Zeit auf, alles war immer und sofort verfügbar, v.a. auch durch die technologischen Entwicklungen und die Globalisierung. Überall online mit jedem kommunizieren, kostengünstige Weltreisen machen, etwas online bestellen und am nächsten Tag schon geliefert bekommen, Bananen das ganze Jahr über im Supermarkt kaufen können, etc.

Kein Wunder, dass die Angehörigen dieser Generation als wählerisch, verwöhnt, egoistisch und vor allem als faul gelten, denn wie früher arbeiten wollen sie auch nicht mehr. Sie wollen keine 40 Stunden die Woche ins selbe Büro fahren, um sich das Wochenende herbeizusehnen. Sie wollen keine Tätigkeit, die zwar Geld bringt, aber nur wenig Freizeit. Aber was wollen sie dann? Was fordert die Generation Y?


Glück vor Geld

Dadurch, dass die Millennials nie lange warten mussten, bis sie das bekamen, was sie wollten, ist ihnen Materialismus nicht mehr so wichtig wie ihren Vorgängern. Lediglich der Zugang zu Dingen genügt ihnen und ist zudem praktischer und kostengünstiger als pyhsischer Besitz. Das führt zu immer mehr Sharingportalen, wie für Autos, Geräte oder sogar Klamotten. Hauptsache man kann im richtigen Moment darauf zugreifen (just-in-time). Dadurch, dass Materialismus keine so große Rolle mehr spielt, benötigt die Generation Y weniger Geld für Gegenstände. Wichtiger ist, dass die Existenz gesichert ist. Stattdessen wird mehr Wert auf Erlebnisse und Freizeit gelegt. Aus diesem Grund ziehen sie beispielsweise Sabbaticals einem größeren Firmenwagen und Teilzeit einem höheren Gehaltsscheck vor. Genauso bevorzugen sie es, einer sinnvollen und nachhaltigen Tätigkeit nachzugehen, die sie erfüllt und glücklich macht, anstatt einen angesehenen Status zu genießen. Selbstverwirklichung, Individualismus und Freiheit sind die relevantesten Schlüsselwörter dieser Generation.

Sie halten nichts von Hierarchien, wollen lieber MIT dem Chef arbeiten anstatt FÜR ihn, wollen mitbestimmen und v.a. eigenverantwortlich handeln und denken. Regelmäßiges Feedback (mind. 1x monatlich) ist ihnen wichtig, um sich weiterzubilden und bessere Leistung zu bringen. Statt immer in dasselbe Büro zu fahren, möchten Digital Natives immer öfter im Homeoffice und zu flexiblen Arbeitszeiten arbeiten. Ähnlich wie ihre Vorgänger, wünschen sie sich die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, jedoch eher eine Mischung (Work-Life-Blend) als eine Balance zwischen beiden. Das heißt, private Angelegenheiten sollen ebenso während der Arbeit geregelt werden können; dafür sind sie bereit, bei Bedarf auch nach Feierabend noch zu arbeiten.


Sitzsäcke statt Bürostühle

Dieser Generationenwandel führt zu großen Änderungen in der Arbeitswelt. Der Arbeitsmarkt passt sich den Neuankömmlingen an, da Arbeitgeber durch den demografischen Wandel weniger Auswahl haben. Viele statten ihr Unternehmen daher u.a. mit Tischkickern, Smoothiemixern und Sitzsäcken aus, um die Millennials anzulocken.

Ist diese Generation deswegen verwöhnt? Nicht unbedingt. Sie hat sich nur sehr geschickt ihrem Umfeld angepasst, in dem man inzwischen bei einem einfachen Gang in den Supermarkt zwischen 20 unterschiedlichen Buttersorten wählen kann. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie Entscheidungsschwierigkeiten aufweist und sich alle Möglichkeiten offen hält.

Euch interessiert das Thema Generation Y? Dann seht euch Steffi Burkharts Rede zum Thema “So ticken Digital Natives und die Generation Y" an!





Absolventa (2017): »XYZ - Generationen auf dem Arbeitsmarkt«, in: https://www.absolventa.de/karriereguide/berufseins... (17.08.2018)

Appel, Wolfgang/Michel-Dittgen, Birgit (Hrsg (2013)): »Digital Natives: Was Personaler über die Generation Y wissen sollten«, Wiesbaden: Springer Gabler Verlag

Bund, Kerstin (2014): »Glück schlägt Geld: Was wir wirklich wollen«, Hamburg: Murmann Verlag
Greiner, Lena (2018): »So haben die Millennials die Arbeitswelt verändert«, in: http://www.spiegel.de/karriere/generation-y-so-haben-die-millennials-die-arbeitswelt-bereits-veraendert-a-1195595.html (17.08.2018)
Gruenderszene: »Generation Y«, in: https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/generation-y (17.08.2018)
Hurrelmann, Klaus/Albrecht, Erik (2016): »Die heimlichen Revolutionäre. Wie die Generation Y unsere Welt verändert«, Weinheim: Beltz Verlag
Manzin, Tommaso (2016): »Generation X, Y oder Z? Die az erklärt die Unterschiede«, in: https://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/generation-x-y-oder-z-die-az-erklaert-die-unterschiede-130389714 (17.08.2018)
Mörstedt, Antje-Britta: »Erwartungen der Generation Z an die Unternehmen«, in: https://www.pfh.de/fileadmin/Content/PDF/forschungspapiere/vortrag-generation-z-moerstedt-ihk-goettingen.pdf (17.08.2018)
Neon (2017): »8 Mythen über Millennials - und wie sie wirklich sind«, in: https://www.stern.de/neon/feierabend/milennials--acht-mythen-und-fuenf-fakten-ueber-generation-y-7481784.html (17.08.2018)
Osman, Jakob (2017): »Gute Nacht, Millennials!«, in: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/generation-y-millennials-sind-ueberfordert-und-ueberschaetzt-a-1166054.html (17.08.2018)
Parment, Anders (2013): »Die Generation Y: Mitarbeiter der Zukunft motivieren, integrieren, führen«, Wiesbaden: Gabler Verlag
Stratmann, Guido: »Zielgruppe Millennials - die “digitale” Generation und ihre Bedürfnisse«, in:
https://www.marketingimpott.de/blog/zielgruppe-millennials-die-digitale-generation-und-ihre-beduerfnisse/ (17.08.2018)
WJSchroer: »Generations X,Y, Z and the others«, in: http://socialmarketing.org/archives/generations-xy-z-and-the-others/ (17.08.2018)