Industrie 4.0 – Digitalisierung der Arbeitswelt. Werden wir bald durch Roboter ersetzt?

Published on: 09 Aug 07:54

Man hört es immer häufiger: Unsere Arbeitsplätze sollen bald automatisiert und menschliches Personal immer weniger benötigt werden. Wir befinden uns im Zeitalter der Digitalisierung, der Industrie 4.0, in der Big Data und Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle spielen. Doch was ist wirklich dran an den Spekulationen? Übernehmen Roboter tatsächlich irgendwann unsere Arbeit?

Franck V.


Industrie 4.0 – was ist damit gemeint?

Die erste industrielle Revolution, Industrie 1.0, begann 1780 mit der Einführung mechanischer Produktionsanlagen mithilfe von Wasser- und Dampfkraft. Die damalige Agrargesellschaft wurde daraufhin von der Industriegesellschaft abgelöst. Ein Jahrhundert später ermöglichte elektrische Energie die arbeitsteilende Massenproduktion, erste Fließbänder entstanden. 1969 kam es zu einer weiteren Modifikation und Vereinfachung der Produktion: Die Industrie 3.0 war von IT und Elektronik geprägt. Und heute? Man spricht von einer anstehenden Industrie 4.0, die mit der voranschreitenden Digitalisierung die Produktionsprozesse noch weiter automatisieren wird. Und zwar mithilfe von Cyber-physischen Systemen, die Software mit Mechanik und Elektronik vernetzen. Maschinen können also künftig miteinander kommunizieren bzw. Informationen austauschen.[1]

Veränderung statt Verlust

Durch diese rasante technische Entwicklung und Automatisierung stellt sich die Frage, ob unsere Arbeitsplätze nicht bald durch Maschinen ersetzt werden. Die am häufigsten zitierte Studie, die sich mit diesem Thema befasst, ist die von Frey und Osborne aus dem Jahr 2013. Ihren Ergebnissen zufolge könnte die Hälfte aller Berufe in den USA und auch in Deutschland in naher Zukunft automatisiert werden. Das klingt im ersten Moment dramatisch, doch es besteht kein Grund zur Sorge. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zweifelte die Studie von Frey und Osborne an und untersuchte deren Aussagekraft kritisch. Es kam heraus, dass zwar das Automatisierungsrisiko 50% der Berufe betrifft, aber die Wahrscheinlichkeit des Arbeitsplatzverlustes nur bei 12% liegt.Es stimmt zwar, dass einige Berufe automatisiert werden könnten, aber das muss ja nicht gleich heißen, dass es tatsächlich so kommen wird. In manchen Fällen rentiert es sich gar nicht, die menschliche Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen. Weder Erzieher noch Künstler können von Robotern substituiert werden und wer möchte schon eine Maschine als Krankenschwester? Außerdem ist es viel wahrscheinlicher, dass sich lediglich Tätigkeitsfelder automatisieren lassen, aber nicht gleich komplette Berufe. So wurde zum Beispiel aus dem Mechaniker der Mechatroniker, aber der Beruf wird immer noch von Menschen ausgeführt.[2]

Entstehen neuer Tätigkeitsfelder

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) werden bis 2025 voraussichtlich 490.000 Stellen, hauptsächlich in der Industrie, verloren gehen.[3] Gleichzeitig entstehen aber auch ganz neue Tätigkeitsfelder, die mit der Entwicklung, Erstellung, Steuerung, Kontrolle und Wartung der Maschinen zu tun haben.[4] Außerdem gibt es bereits komplett neue Berufsfelder, wie beispielsweise Online-Journalismus, Online-Marketing, Social Media Management oder Community Management.[5] Insgesamt werden also 430.000 neue Stellen entstehen, sodass es letztendlich einen Verlust von 60.000 Arbeitsplätzen zu verzeichnen geben wird.[6] Es betrifft vor allem Berufe, für die keine besonderen Qualifikationen benötigt werden und die meist monoton und körperlich anstrengend sind.[7] Übernehmen Maschinen diese unangenehmen Tätigkeiten, wie beispielsweise Fließbandarbeit, kann das eine Entlastung sein.[8] Dafür wird von Arbeitnehmern immer mehr Kreativität, unkonventionelles Denken sowie technisches und digitales Wissen abverlangt.[9] Der Wandel der Arbeit führt also auch zu anderen Ansprüchen an Arbeitnehmer:

Zukünftig wird sich unsere Arbeitswelt zwar deutlich verändern, aber schleichend, sodass genügend Zeit zur Eingewöhnung und Anpassung besteht.[13]

Also: Freut euch nicht zu früh! Ihr dürft weiterhin arbeiten gehen ;)



[1] cf. Tschirner/Scheu (2016), p.2
[2] cf. VDMA (2015), p. 1-7
[3] cf. Absenger et al. (2016), p. 6
[4] cf. Dengler/Matthes (2015), p. 23
[5] cf. Carstensen et al. (2014), quoted in Carstensen (2016), p. 187
[6] cf. Absenger et al. (2016), p.6
[7] cf. Tschirner/Scheu (2016), p.5
[8] cf. VDMA (2015), p. 1-7
[9] cf. ibid
[10] cf. Schlund/Hämmerle/Strölin (2014), p. 6
[11] cf. Bitkom (2016), p. 1-5
[12]cf. Schlund/Hämmerle/Strölin (2014), p. 6
[13] cf. Carstensen (2016), p. 189


Absenger, N./Ahlers, E./Herzog-Stein, A./Lott, Y./Maschke, M./Schietinger, M. (2016): Digitalisierung der Arbeitswelt!?, Mitbestimmungsreport, No. 24, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf.
Bitkom 2016: „Thesenpapier Arbeit 4.0 Die deutsche Arbeitswelt zukunftsfähig gestalten“, in: https://www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Thesenpapier-Arbeit-40.html, (07.08.2018).
Carstensen, T. (2015): „Neue Anforderungen und Belastungen durch digitale und mobile Technologie“, in Schwächen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in veränderten Arbeitswelten, 3/15, p. 187-193.
Dengler, K./ Matthes, B.(2015): „Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt Substituierbarkeitspotenziale von Berufen in Deutschland“, in: IAB Forschungsbericht - Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 11/15.
Schlund, S./Hämmerle, M./Strölin, T. (2014): Industrie 4.0 – Eine Revolution der Arbeitsgestaltung, 2014, Fraunhofer IAO, Stuttgart.
Tschirner, M/Scheu, J. (2016): Industrie 4.0 – Was kommt da eigentlich auf uns zu?, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf.
VDMA (2015): Industrie 4.0 und die Arbeitswelt von morgen – für eine moderne Arbeitsmarktpolitik im digitalen Zeitalter.