Beispiel Generation Y - Reisen & Surfen statt Master & Karriere

Published on: 11 Sep 19:36

Nicht jeder zu Zeiten der Millennials Geborene identifiziert sich gleichzeitig mit den Charakteristiken dieser Generation. Doch andere leben genau das Klischee, das in den beiden vorherigen Artikeln über die Generation Y erläutert wird. Ein typischer Digital Native ist Nayelli, unsere Marketing-Praktikantin. Was genau macht sie zu einem Millennial und wie kam es dazu? Das erfährst du in diesem Artikel:

Zwischen Deutschland und Mexiko

Nayelli ist in Bamberg aufgewachsen, machte dort ihr Abitur und zog dann nach Zwickau, um Wirtschaftsfranzösisch, Marketing und Interkulturelle Kommunikation zu studieren. Durch ihre mexikanischen Wurzeln reiste sie schon von klein auf häufig nach Mexiko, um ihre Familie zu besuchen. Nach dem Abitur verbrachte sie dort ein halbes Jahr und lernte währenddessen surfen, was inzwischen - neben dem Reisen - ihr größtes Hobby ist.

Von Anfang an gegen den Strom

Anstatt in den Semesterferien Praktika zu sammeln, um ihren Lebenslauf zu „schmücken“, machte Nayelli im Winter Städtereisen nach Brüssel, Amsterdam und Porto und reiste im Sommer als Betreuerin in Jugendcamps nach Spanien und Italien. Das Auslandsjahr in Frankreich verbrachte sie an der Atlantikküste, um in ihrer Freizeit surfen zu können. Das Pflichtpraktikum wollte sie zunächst auf einem Campingplatz im Baskenland am Meer absolvieren, ebenfalls, um nahe am Meer zu sein. Allerdings hörte sie hier nicht wie sonst auf ihr Bauchgefühl, sondern auf ihren Verstand und entschied sich für ein “Macht-sich-gut-im-Lebenslauf-Praktikum” bei der mexikanischen Botschaft in Paris – was sich als Reinfall entpuppte. 40h pro Woche an der Rezeption sitzen, Dokumente von 1998 ordnen und sich auf den Feierabend und das Wochenende freuen – für Nayelli ein absoluter Albtraum. Sie bekam Rückenschmerzen und zählte die Tage bis zum Ende des Praktikums. Schon mit 12 Jahren sagte sie immer wieder, sie würde niemals in einem Büro arbeiten und sich unter keinen Umständen in einen „hässlichen Rock und Stöckelschuhe“ zwängen. Also warum tat sie es dann?

Reise nach Asien

Nayelli begann, an sich selbst, an ihrem Studium und an ihrer Zukunft zu zweifeln. Sie fing an, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, um herauszufinden, was sie im Leben wollte und ob der Weg, den die Gesellschaft vorgibt, zu ihr passte. Sie entschloss, nach dem Praktikum eine 3-monatige Reise nach Asien zu machen, um Abstand zu gewinnen, sich selbst und andere Leute kennenzulernen, die eine ähnliche Sichtweise hatten wie sie und vor allem um zu surfen. Tatsächlich traf sie die unterschiedlichsten Personen, die alle sehr interessanten Tätigkeiten nachgingen: manche unter ihnen waren Surf- oder Tauchlehrer, andere selbstständige Fotografen, andere wiederum verkauften Produkte online, viele unter ihnen machten Work & Travel oder Working Holiday in Australien und Neuseeland, und manche hatten einen festen Job in Deutschland, in dem sie drei Monate im Jahr frei bekamen und diese zum Reisen nutzen.

Zukunftsplanung nach der Reise

Nayelli wusste nach dieser Reise, dass sie weiterhin unterwegs sein, surfen und bestenfalls noch nebenbei Geld verdienen wollte. Damit war aber nicht nur eine einjährige Auszeit, ein sogenanntes Gap Year gemeint, nach dem man den alltäglichen Verpflichtungen weiter nachgeht. Nein, sie wollte so LEBEN. Doch zunächst musste sie ihr letztes Semester in Deutschland durchziehen und ihre Bachelorarbeit schreiben. Diese verfasste sie zum Thema Online-Marketing. Sie erstellte dafür eine Website für eine neugegründete Surfschule in Spanien. Währenddessen überlegte sie, was sie anschließend machen würde. Entgegen ihres Umfelds, das zu einem Master und einer Karriere in einem renommierten Großunternehmen in Deutschland riet, entschied sich Nayelli dafür, (erstmal) keinen Master zu machen, sondern richtig surfen zu lernen (mag für den einen banal oder naiv klingen, aber für sie war es in dem Moment das, was sie tun wollte).

Selbstfindungsprozess

Diese für sie schwere Entscheidung konnte sie nur treffen, weil sie Monate mit dem Lesen von Selbstfindungsbüchern sowie Hören von Podcasts und Vorträgen verbracht hatte. In Erinnerung geblieben sind ihr die Podcasts von Laura Malina Seiler und Christian Bischoff, sowie die Redner von GEDANKENtanken und die Instagram-Beiträge von Gary Vee. Ihre Lieblingsbücher sind Boarderlines, Das Café am Rande der Welt, The Big Five For Life, Hector’s Reise oder die Suche nach dem Glück sowie Der träumende Delphin. Das alles half ihr dabei, sich den Meinungen anderer zu widersetzen und dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen. Sie beschloss, nach Abschließen des Studiums (Juli 2018), nach Spanien zu reisen, um dort in der Surfschule zu arbeiten, für die sie die Website erstellt hatte. So würde sie die Möglichkeit haben, direkt am Strand zu wohnen und Zugriff auf Surfmaterial und kostenlosen Surfunterricht zu haben. Die Vereinbarung lautete: Arbeit gegen Unterkunft und Verpflegung.

Praktikum bei German Talent

Kurz vor Fertigstellung der Bachelorarbeit, stieß sie zufällig auf eine Stellenanzeige von German Talent mit der Überschrift „Willst du Digitaler Nomade werden?“ – Genau so etwas hatte sie gesucht! Nayelli bewarb sich sofort und erhielt eine Woche später die Zusage für ein Praktikum im Bereich Online-Marketing, das sie auch von Spanien aus machen konnte. Sie konnte ihr Glück kaum fassen und konnte es nicht erwarten, endlich den Abschluss in der Tasche zu haben und das tun zu können, wonach sie sich so lange gesehnt hatte.

Aktueller Stand: Unterwegs

Seit Anfang August 2018 ist Nayelli nun unterwegs. Zunächst zog sie nach Spanien und plante, dort surfen zu lernen und den Winter zu überbrücken. Dann ging sie zwischendurch zur DNX, das Digitale-Nomaden-Festival in Lissabon, wo es ihr so gut gefiel, dass sie statt einer Woche gleich fünf blieb (drei davon als Freiwillige in einem Surfhostel). Vor Ort lernte sie außerdem zwei Norweger kennen, die gerade auf Reisen waren und deren nächster Stop Sri Lanka sein würde. Spontan schloss sie sich den beiden an und buchte ihren Flug nach Colombo. Ihr blieben genau zwei Wochen, um zurück nach Spanien zu fahren, ihre Wohnung zu kündigen und ihre Sachen bei Freunden unterzubringen. Dann flog sie ins tropische Sri Lanka und befindet sich nun seit zwei Wochen dort. Weihnachten und Silvester wird sie auf Lombok verbringen, den kalten Januar auf den Philippinen, Februar in Deutschland und ab März geht es dann weiter nach Lateinamerika. Woher sie das Geld nimmt? Nun, die Einnahmen des Praktikums und zwei zusätzliche Kunden ermöglichen ihr ein minimalistisches Leben in den Ländern, in denen sie sich aufhält. Dort bekommt man für 100€ eine Wohnung für einen Monat, für 5-10€ am Tag drei Mahlzeiten, ohne kochen zu müssen und für nur 3€ am Tag einen Roller, um die Gegend zu erkunden. Mehr als surfen, essen, schlafen - und natürlich arbeiten - macht sie sowieso nicht.

Alles auf sich zukommen lassen

Sie hat keine Angst davor, keine Arbeit zu finden oder pleite zu gehen. Sie glaubt fest daran, dass sich alles irgendwie ergibt, dass alles so kommen wird, wie es kommen soll. Darum plant sie auch nicht voraus. Sie bucht immer nur One-Way-Tickets, um sich alle Möglichkeiten offenzuhalten und kurzfristig etwas komplett Unerwartetes machen zu können. Nein, sie hat keine Angst, dass sie irgendwann mit nichts dasteht oder wieder zurück nach Deutschland will. Ihre einzige Angst ist, in ein Hamsterrad zu laufen, aus dem sie nicht mehr herauskommt und ihre Träume nicht verwirklichen kann.

Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann. – Marie von Ebner-Eschenbach