​Stärken und Schwächen der Generation Y

Published on: 08 Sep 07:26

Die Generation Y gilt als verwöhnt, egoistisch, unengagiert und anstatt informative Bücher zu lesen und reale Beziehungen aufzubauen, sitzt sie ständig vor Computer oder Smartphone und kommuniziert dort mit ihren 500 „Freunden“. Durch ihre angeblich hohen Ansprüche an die Arbeitswelt sind die Digital Natives Personalmanagern zufolge nicht kompatibel, wechseln bei jeder Kleinigkeit den Arbeitgeber und wollen nur Urlaub und Spaß, aber trotzdem viel Geld fürs Nichtstun.
Aber ist das überhaupt alles wahr? Sind das nur Klischees oder ist wirklich etwas dran?


Alice Donovan Rouse

Klischee Nr. 1: Digital Natives sind illoyale Job-Hopper

Schätzungen zufolge werden Millenials mit ca. 38 Jahren bereits 10 unterschiedliche Jobs ausgeübt haben. Es stimmt tatsächlich, dass die Generation ständig den Job wechselt und ihnen Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber weniger wichtig ist als anderen Generationen. Das liegt aber hauptsächlich an den vielen Möglichkeiten, die den jungen Menschen heutzutage offen stehen, sodass es ihnen schwerfällt, sich auf nur eine einzige Sache für einen langen Zeitraum festzulegen. Darum bleiben die Digital Natives inzwischen für etwa 1-2 Jahre bei einem Arbeitgeber oder beenden lediglich ein Projekt, bevor sie sich wieder auf die Suche nach etwas Neuem machen, um andere Erfahrungen zu sammeln.

Außerdem sind sie in einer Welt voller Krisen aufgewachsen (Terroranschläge, Afghanistankrise, Klimawandel, Finanzkrise, etc.), wodurch sie Unsicherheiten und Veränderungen gewöhnt sind. Sie haben gelernt, dass nichts von Dauer ist und passen sich daran an, indem sie Neuem offen gegenüberstehen. Das muss aber nicht negativ sein. Stattdessen macht es aus der Generation Y eine flexible, spontane sowie – bedingt durch die Globalisierung - eine sehr internationale und vor allem vielsprachige Generation, die durch die häufigen Jobwechsel bereits in jungen Jahren unterschiedliche Erfahrungen gemacht hat und diverse Perspektiven kennengelernt hat.

Klischee Nr. 2: Die Generation Y will alles sofort ohne sich anzustrengen

Ja, das größte Defizit der Generation Y ist ihre Ungeduld. Aber auch nur, weil sie es gewöhnt ist, alles gleich zu bekommen. Das liegt einerseits daran, dass sie weder Zeuge von Massenarbeitslosigkeit noch von Zeiten der Not war, andererseits an der heutigen Konsumgesellschaft, die alles sofort bereitstellt. Im Berufsleben sieht das aber ganz anders aus. Dort spielen Erfahrung und Geduld eine wichtige Rolle. Doch die Generation Y unterschätzt Erfahrung und möchte am liebsten sofort etwas bewegen und erreichen, ohne lange darauf hinarbeiten zu müssen. Dieses Denken stammt auch vor allem daher, dass ihnen von klein auf immer gesagt wurde, dass sie alles können würden und alles machen könnten, was sie wollen. Kein Wunder, dass immer mehr junge Leute ein Start-up gründen oder YouTube-Star sowie Influencer auf Instagram werden wollen.

Klischee Nr. 3: Millennials sind faul und respektlos gegenüber Autoritäten

Millennials nehmen Autoritäten bzw. ein autoritäres Umfeld tatsächlich weniger ernst als andere Generationen. Zumindest wenn es darum geht, dass diese Person in der Hierarchie weiter oben steht. Sie bevorzugen Kontakt auf Augenhöhe, ziehen eine unabhängige und selbstständige Arbeitsweise ständigen Kontrollen vor und wünschen sich einen Arbeitgeber, der andere Meinungen sowie Kritik akzeptiert. Außerdem ist ihnen wichtig, dass die Werte eines Unternehmens mit ihren eigenen übereinstimmen, denn sie wollen eine sinnvolle Tätigkeit ausüben und in einer zu ihnen passenden Arbeitskultur arbeiten.

Dass sie faul sind, stimmt aber gar nicht. Einer Studie zufolge arbeiten die Digital Natives genauso hart oder sogar härter (>40h) als ihre Vorgänger. Manche haben sogar gleichzeitig mehrere Jobs, was sie zu Meistern im Multitasking macht. Obwohl die Mehrheit der Millennials bereits einen akademischen Hintergrund hat, sind sie immer auf der Suche nach Weiterbildungsmöglichkeiten und Herausforderungen, was sie zu motivierten und effizient arbeitenden Arbeitskräften macht.

Eine interessante Sichtweise zum Thema hat Simon Sinek in „Millennials in the workplace“ zum Thema beigetragen:



Absolventa (2017): »XYZ - Generationen auf dem Arbeitsmarkt«, in: https://www.absolventa.de/karriereguide/berufseins... (17.08.2018)

Appel, Wolfgang/Michel-Dittgen, Birgit (Hrsg (2013)): »Digital Natives: Was Personaler über die Generation Y wissen sollten«, Wiesbaden: Springer Gabler Verlag

Bund, Kerstin (2014): »Glück schlägt Geld: Was wir wirklich wollen«, Hamburg: Murmann Verlag
Bund, Kerstin (2014): »Wir sind jung und brauchen das Glück: Wie die Generation Y die Berufswelt verändert und warum alle von diesem Wandel profitieren.«, in: https://www.zeit.de/2014/10/generation-y-glueck-geld (28.08.2018)
Greiner, Lena (2018): »So haben die Millennials die Arbeitswelt verändert«, in: http://www.spiegel.de/karriere/generation-y-so-haben-die-millennials-die-arbeitswelt-bereits-veraendert-a-1195595.html (17.08.2018)
Gruenderszene: »Generation Y«, in: https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/generation-y (17.08.2018)
Hurrelmann, Klaus/Albrecht, Erik (2016): »Die heimlichen Revolutionäre. Wie die Generation Y unsere Welt verändert«, Weinheim: Beltz Verlag
Kane, Sally (2018): »The Common Characteristics of Generation Y Professionals«, in: https://www.thebalancecareers.com/common-characteristics-of-generation-y-professionals-2164683 (28.08.2018)
Manzin, Tommaso (2016): »Generation X, Y oder Z? Die az erklärt die Unterschiede«, in: https://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/generation-x-y-oder-z-die-az-erklaert-die-unterschiede-130389714 (17.08.2018)
Mörstedt, Antje-Britta: »Erwartungen der Generation Z an die Unternehmen«, in: https://www.pfh.de/fileadmin/Content/PDF/forschungspapiere/vortrag-generation-z-moerstedt-ihk-goettingen.pdf (17.08.2018)
Neon (2017): »8 Mythen über Millennials - und wie sie wirklich sind«, in: https://www.stern.de/neon/feierabend/milennials--acht-mythen-und-fuenf-fakten-ueber-generation-y-7481784.html (17.08.2018)
Osman, Jakob (2017): »Gute Nacht, Millennials!«, in: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/generation-y-millennials-sind-ueberfordert-und-ueberschaetzt-a-1166054.html (17.08.2018)
Parment, Anders (2013): »Die Generation Y: Mitarbeiter der Zukunft motivieren, integrieren, führen«, Wiesbaden: Gabler Verlag
Stratmann, Guido: »Zielgruppe Millennials - die “digitale” Generation und ihre Bedürfnisse«, in:
https://www.marketingimpott.de/blog/zielgruppe-millennials-die-digitale-generation-und-ihre-beduerfnisse/ (17.08.2018)
The Guardian: »They don't live for work ... they work to live«, in: https://www.theguardian.com/money/2008/may/25/workandcareers.worklifebalance (28.08.2018)
WJSchroer: »Generations X,Y, Z and the others«, in: http://socialmarketing.org/archives/generations-xy-z-and-the-others/ (17.08.2018)