Digitalisierung und Gesundheit - Schadet die Digitalisierung unserem Körper?

Published on: 19 Apr 13:29

Der letzte Artikel handelte davon, ob Digitalisierung unserer psychischen Gesundheit schadet oder nicht. In folgendem Artikel geht es darum, ob Digitalisierung für unsere körperliche Gesundheit schädlich ist. Wir kennen alle das Bild der Evolution des Menschen, wie er sich vom auf allen Vieren laufenden Affen hin zum Homo Sapiens mit aufrechtem Gang entwickelt und sich dann plötzlich in einen auf einem Stuhl zusammengekrümmten Bucklingen verwandelt, der auf einen Bildschirm starrt. Letzteres soll angeblich unsere Augen „eckig“ werden lassen; die krumme Haltung zu Verspannungen und Rückenproblemen führen. Es ist die Rede vom sogenannten Handydaumen sowie von krebserregenden elektromagnetischen Strahlen, die Smartphones und Wifi permanent aussenden. Doch was ist dran an diesen Behauptungen? Ist die Digitalisierung tatsächlich so gesundheitsschädlich?

Jesper Aggergaard


Trockene Augen und Kurzsichtigkeit

Smartphone, Tablet, Computer, Laptop, Fernseher…unsere Augen sind ständig Bildschirmen ausgesetzt. Das konzentrierte Starren führt dazu, dass wir anstatt 10x pro Minute nur noch 4x blinzeln, was die Augen reizt und trocken werden lässt. Augentropfen können hier behilflich sein, genauso wie bewusstes Blinzeln oder längeres Augenschließen.

Außerdem ist das, was wir lesen, meist sehr klein geschrieben, weswegen wir die Bildschirme sehr nah ans Gesicht halten und unsere Augen somit „Naharbeit“ leisten müssen. Ist das Auge noch im Wachstum (bis zum 30. Lebensjahr, aber besonders im Jugendalter), kann es zu einer Verlängerung des Augapfels kommen, was auch als Kurzsichtigkeit bekannt ist. Da dies jedoch auch beim Lesen eines Buches der Fall ist und es laut einer Studie einen Zusammenhang zwischen Brillenträgern und hohem Bildungsniveau gibt, kann man die Schuld hier nicht ausschließlich der Digitalisierung zuschieben. Kurzsichtigkeit kann durch Aufenthalte im Freien sowie regelmäßiges in die Ferne schauen vorgebeugt werden. Hierfür gibt es die 20-20-20-Regel. Alle 20 Minuten soll für 20 Sekunden lang aus dem Fenster geschaut werden und etwas in 20Fuß (also 6m) Entfernung fokussiert werden.

Ähnlich verhält es sich mit dem für unsere Netzhaut schädliches Blaulicht. Dieses findet sich vor allem in LEDs wieder, also in Lampen, Bildschirmen, Scheinwerfern, UV-Strahlen, etc. Blaulicht führt zu sogenanntem oxidativen Stress, der unsere Sehzellen abtötet und sich damit die Sehkraft verschlechtert. Dagegen helfen Antioxidantien, die den Stress wieder ausgleichen. Sie finden sich in folgenden Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln:

•Astaxanthin

•OPC

•Aroniasaft

•Gerstengras

•Moringa

•Curcumin

Was noch hilft, ist, die Umgebung möglichst hell zu halten, damit die Pupillen klein sind. Ist der Raum komplett dunkel und nur der Bildschirm beleuchtet, sind die Pupillen weit geöffnet und lassen mehr blaues Licht hinein. Eine andere Methode ist, eine App oder Bildschirme zu verwenden, die blaues Licht filtern. Damit werden auch Schlafproblemen vorgebeugt. Blaues Licht hemmt nämlich die Bildung von Melatonin, das sich abends bildet, damit wir schläfrig werden.

Die Digitalisierung ist im Grunde genommen schädlich für unser einziges Sehorgan. 68% der Generation Y haben Sehprobleme und jedes zweite Schulkind ist inzwischen kurzsichtig. Der Zusammenhang ist nicht zu über“sehen“. Um unsere Augen zu schützen, sollten wir nicht länger als 3h vor Bildschirmen verbringen, da dies zu einer Überanstrengung führt, die Kopfschmerzen, Trockenheit und Schwindelgefühl herbeiführen kann. Wer auf Arbeit nicht umhin kommt, täglich am Computer zu arbeiten, sollte eine Bildschirmbrille tragen, die die Augen entlastet. Frische Luft trägt außerdem zu einer gesunden Entwicklung unserer Augen bei.

Verspannter Nacken und Rumpfschmerzen

Rückenprobleme sind heutzutage Beschwerde Nr. 1 und Wärmekissen sind der Verkaufshit in Apotheken. Vor allem der untere Rücken ist häufig betroffen, was besonders an mangelnder Bewegung und Stärkung sowie häufigem Sitzen und falscher Haltung liegt. Wir neigen dazu, uns vor den Computer zu lümmeln, den Nacken nach vorne zu strecken, um den Bildschirm besser zu sehen und wundern uns dann über stechende Rumpfschmerzen und Verspannungen in den Schultern und im Nacken. Dabei ist es doch ganz einfach: Die richtige Tisch- und Stuhlhöhe sind genauso wichtig wie der richtige Abstand der Arme zur Tastatur und die optimale Höhe sowie Neigung des Bildschirms. Die Beine sollen im 90Grad-Winkel parallel auf dem Boden stehen, die Wirbelsäule aufrecht sein, das Gewicht auf beiden Pobacken verteilt werden und die Arme im 95Grad-Winkel auf dem Tisch aufliegen, die Ellenbogen außerdem nah am Körper. Der Bildschirm auf Augenhöhe, etwa 5-30Grad nach hinten geneigt. Das nennt man dann eine aufrechte Sitzhaltung und beugt angeblich Rückenproblemen vor. Doch das alles reicht längst nicht aus. Hinzu kommt nämlich, dass unser Rücken Bewegung braucht und nicht stundenlang in einer einzigen Position verharren kann. Darum ist es sehr wichtig – und kann auch nicht durch tägliches Workout nach Feierabend ersetzt werden – dass während des Sitzens Bewegungspausen eingelegt werden. Sei es kurz auf Toilette zu gehen, sich etwas zu Trinken zu holen, ein paar Yoga-Übungen zu machen oder sich einfach anders, wenn auch krumm, hinzusetzen – das alles ist besser, als sich keinen Milimeter zu bewegen. Für den Nacken gilt Ähnliches: Regelmäßige Schulter- und Nackenübungen beugen Verspannungen vor und sind sehr leicht und unauffällig am Arbeitsplatz durchzuführen. Hilfreiche und schnell ausführbare Übungen seht ihr in diesem 5-minütigen Video.

Ergonomischer Arbeitsplatz (Samule Sun)

Handydaumen und Mausarm

Handydaumen und Mausarm: das sind die neuesten Erkrankungen des digitalen Zeitalters. Die Fachbegriffe sind Sehnenscheidenentzündung sowie RSI-Syndrom. Der Handydaumen kommt vom einseitigen Tippen und Scrollen auf unseren Smartphones. Diese Bewegung ist unser Daumen nicht gewöhnt, sodass er mit einer Reizung und im schlimmeren Fall einer Entzündung reagiert. Der Mausarm kommt von einer Überlastung durch die Benutzung der Computermaus. Hierbei sind Hände, Arme, Schultern sowie Nacken betroffen. Vorgebeugt gegen beide Krankheiten kann durch regelmäßiges Dehnen, Abwechseln (mal die andere Hand oder den anderen Daumen benutzen), Pausen einlegen, etc. Es gibt auch ergonomische Computermäuse sowie – tastaturen zu kaufen und Gelkissen zur Vorbeugung und Heilung eines Mausarms.

Mutierte Kresse durch WLAN-Strahlung

Der letzte Aspekt, der immer wieder diskutiert und erforscht wird, ist die gesundheitliche Gefährdung durch Strahlung. Bisher gab es noch keine eindeutigen wissenschafltichen Beweise oder Erkenntnisse zu diesem Thema. Es hat jedoch ein Experiment von zwei Schulmädchen stattgefunden, die in zwei Räumen jeweils eine Schachtel Kresse gestellt haben. Die Raumbedingungen waren nahezu identisch, bis auf die Tatsache, dass in einem ein WLAN-Router stand. Nach zwei Wochen regel- und gleichmäßiger Bewässerung spross die eine Kresse üppig und grün, während die andere verkümmerte und sogar mutierte. Es stellt sich also die Frage, was mit einem Menschen passiert, der einer derartigen Strahlung ausgesetzt ist. 2011 hat die WHO elektromagnetische Strahlung als möglicherweise krebserregend eingestuft. Diese findet sich in Handys sowie in WLAN wieder. 2015 wurde nachgewiesen, dass eben genannte Strahlung die Hirnströme beeinflusst. Jedoch ist weniger gewiss, ob sie ebenso die Durchblutung des Gehirns oder die Spermienqualität beeinträchtigt, was ebenso oft vermutet wird. Es konnte lediglich bestätigt werden, dass sich das Gewebe des menschlichen Körpers erwärmt, wenn er der Strahlung ausgesetzt ist. Inwiefern dies gesundheitsschädigend ist, wurde ebenso noch nicht herausgefunden. Langzeitschäden sind bisher auch noch nicht bekannt, da die Technologie zu neu ist. Doch selbst wenn die Strahlung sich als ungefährlich herausstellt, sollte das Risiko besser nicht eingegangen werden, sondern stattdessen präventiv gehandelt werden. Dazu gehört, den WLAN-Router nicht unbedingt in Räume zu stellen, in denen man sich häufig aufhält. Außerdem kann man sein Gewissen beruhigen, indem man das WLAN nachts abschaltet. Noch besser wäre es, statt eines WLAN-Routers LAN-Kabel zu verwenden, die jedoch die Beweglichkeit und Flexibilität einschränken und außerdem nicht an Smartphones angeschlossen werden können. Ansonsten sollte man elektronische Geräte nicht zu nah am Körper tragen und lieber mit Headset telefonieren als das Handy ans Ohr zu halten. Schließlich senden Smartphones mehr elektromagnetische Strahlung aus als WLAN.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Digitalisierung zu höheren Gesundheitsrisiken führen kann, sofern man nicht vorbeugt und sich nicht schützt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sind ein vernünftiger und verantwortungsbewusster Umgang mit elektronischen Geräten, die richtige Sitzhaltung und regelmäßige Übungen notwendig. Wie man so schön sagt „Besser Vorsorge als Nachsorge!“


Quellen:

https://health.usf.edu/is/blog/2018/06/26/technologys-effect-on-our-health-the-good-the-bad-and-the-ugly

https://www.sehen.de/presse/pressemitteilungen/sehen-am-bildschirmarbeitsplatz/schaedigen-bildschirme-unsere-augen/


https://t3n.de/news/schlechte-augen-monitorarbeit-630739/

https://www.spektrum.de/news/schaden-bildschirme-den-augen/1560572

https://motherboard.vice.com/de/article/8x75dx/bildschirm-smartphone-laptop-pc-schlecht-fuer-augen-kurzsichtig-kopfweh

https://www.welt.de/gesundheit/article140587561/So-ruinieren-wir-unsere-Augen-vor-dem-Bildschirm.html

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-362007/harte-arbeit-fuer-die-augen/

https://www.ingenieur.de/karriere/arbeitsleben/arbeitssicherheit/sensoranzug-arbeiter-rueckenschaeden-schuetzen/

https://www.pc-magazin.de/ratgeber/pc-monitor-verordnung-richtlinie-arbeitsplatz-ergonomie-2064095.html

https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/zehn-tipps-zum-richtigen-arbeiten-am-computer-44462644

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/ruecken/therapie/gesund-arbeiten-am-schreibtisch-auf-diese-5-dinge-sollten-sie-achten_id_5128891.html

https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/haltungsschaeden-durch-langes-sitzen-vor-dem-computer/

https://www.ergotopia.de/blog/richtig-sitzen#anleitung

https://www.schmerz-im-nacken.de/ursachen-fuer-nackenschmerzen/schreibtischjob-als-ursache-nr-1-fuer-nackenschmerzen/

https://www.ergonomie-am-arbeitsplatz-24.de/nackenschmerzen/#hauptgrund_haltungsprobleme

https://www.gesundheitstrends.com/a/schlaf-und-psyche/5-tipps-gegen-nackenschmerzen-4158

https://www.gofeminin.de/job-karriere/schreibtisch-arbeit-nackenschmerzen-s2475610.html

https://www.fitundgesund.at/nackenschmerzen-im-buero-vermeiden-artikel-2127

https://praxistipps.chip.de/handydaumen-ursache-und-behandlung_106444

https://www.mdr.de/wissen/krankheit-handy-daumen-vorbeugen-100.html

https://www.gesundheit.de/krankheiten/knochen-und-gelenke/erkrankungen-des-armes-und-erkrankungen-der-hand/rsi-syndrom-mausarm-durch-computer

https://praxistipps.chip.de/hand-schmerzen-durch-maus-vorbeugen-die-besten-tipps_9618

https://www.jrseco.com/de/wie-schaedlich-ist-wlan-strahlung/

https://praxistipps.chip.de/ist-wlan-schaedlich-verstaendlich-erklaert_42380

https://www.wlansignalverstaerken.de/wlan-strahlung

https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article160308200/Wie-schaedlich-ist-WLAN-Strahlung-fuer-den-Menschen.html

https://www.gesund-und-ich.de/negative-einfluesse/wlan-strahlung/

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/wifi-wlan-krebserregend-ia.html