Der perfekte Stundensatz für Freelancer

Published on: 11 May 02:05

Freelancer haben neben der Selbstvermarktung und der Kundenakquise noch eine weitere große Herausforderung: die Bestimmung des optimalen Stundensatzes. Anfangs verkauft man sich häufig noch unter Wert, da Selbstbewusstsein, Geld und Erfahrung fehlen. Je erfahrener und bekannter man wird, desto höher darf dementsprechend auch der Stundensatz ausfallen. Doch wie hoch kann man eigentlich gehen, um die Kunden nicht zu verschrecken? Und welcher Stundensatz sollte mindestens verlangt werden, um sich nicht selbst auszubeuten?

Kat Yukawa


91,05€ pro Stunde seit 2018

Den neuesten Studien von freelancermap zufolge steigt der Stundensatz von Freelancern (insbesondere im IT-Bereich) stetig an. Lag der Durchschnittssatz im Jahr 2009 noch bei 70€/h und im Jahr 2014 bei 76€/h, so hat er 2018 bereits die 90€-Grenze überschritten. Da die Studie im August jeden Jahres durchgeführt wird, gibt es für 2019 noch keine Daten. Letztes Jahr lag der Stundensatz jedenfalls bei durchschnittlich 91,05€. Die Betonung liegt auf durchschnittlich. Je nach Bundesland gibt es nämlich mehr oder weniger große Unterschiede, wie folgende Grafik zeigt:


lead-digital.de

Wie setzt sich der Stundensatz zusammen?

91,05€ Stundensatz klingt auf den ersten Blick nach viel Geld, schließlich liegt der Mindestlohn in Deutschland bei gerade mal 9,19€ und Festangestellte bekommen durchschnittlich 1945€ netto, was bei einer Vollzeitbeschäftigung einem Stundensatz von ca. 14€ entspricht. Betrachtet man jedoch all die Ausgaben, die Freelancer selbstständig tragen müssen und die bei Festangestellten schon mit eingerechnet sind, kommt man eben auf einen deutlich höheren Stundensatz. Doch wie setzt sich ein Stundensatz überhaupt zusammen?

Das Bruttogehalt ist der Nettobetrag, den du verlangst zuzüglich Mehrwertsteuer. Gehen wir davon aus, du bist Designer. Ein angestellter Designer verdient im Schnitt 30.000€ netto jährlich. 30.000€ durch 365 Tage im Jahr durch 8h am Tag macht ca. 10€/h. Das wäre ein sehr niedriger Stundensatz. Aber keiner arbeitet 365 Tage im Jahr durch! 104 Tage sind Wochenenden, 30 Tage sind Urlaubstage, 11 Tage sind Feiertage und ca. 14 Tage gehen für Krankheits- und Fortbildungstage drauf. Übrig bleiben 206 Arbeitstage à 8h. Kämen wir auf einen Stundensatz von 18€. Fertig? Noch lange nicht. Ungefähr die Hälfte der Zeit verbringen Freelancer mit Eigenmarketing, Buchhaltung, Angebote und Rechnungen schreiben, Kundenakquise, etc. Also bleiben noch ca. 100 produktive Tage übrig, an denen Freelancer ihren Lebensunterhalt bestreiten können. 30.000€/100 Tage macht 300€/Tag, ergibt einen Stundensatz von 37,50€. Das reicht aber immer noch nicht. Hinzu kommen nämlich die Personalkosten, wie Sozialversicherungsabgaben, Krankenversicherung, Altersvorsorge, Berufshaftpflichtversicherung, etc. von etwa 10.000€ pro Jahr, also müsste man als Freelancer bereits 40.000€ in 100 Tagen verdienen. Die unbezahlten Urlaubs-, Fortbildungs- und Krankheitstage, Reisekosten zum Kunden sowie etwaige Materialkosten für Büro und IT (Gemeinkosten) übernimmt bei Angestellten der Arbeitgeber, muss ein Freelancer aber selbst tragen. Hier kann man nochmal mit +30.000€ rechnen, also 70.000€ in 100 Tagen, macht einen Stundensatz von 87,50€. Und das ohne Gewinn! Grob gesagt, kann man so rechnen, dass ein Freelancer 1,5x so viel verdienen sollte wie ein Festangestellter, um finanziell gleich dazustehen. Verlangt man hingegen einen Stundensatz von „nur“ 50€, verdient man gerade mal so viel wie ein Vollzeitangestellter bei Mindestlohn.

Jeder hat andere Ausgaben

Nichtsdestotrotz, sollte man sich von obiger Berechnung nicht entmutigen lassen, da nicht jeder die gleichen Ausgaben hat. Manche Freelancer haben deutlich geringere Lebenshaltungskosten, weil sie bspw. im Ausland leben, keine Familie zu ernähren haben und in jungen Jahren evtl. noch nicht fürs Alter vorsorgen. Außerdem hat man als Neuling noch wenig Erfahrung und findet kaum Kunden, die einen derart hohen Stundensatz an einen Anfänger zahlen würden. Frauen in der IT-Branche haben es zusätzlich schwerer, sie verdienen im Schnitt 7€/h weniger. Letztendlich bekommt man also lediglich als Experte einen durchschnittlichen Stundensatz von 91,05€, wobei hier auch der Tätigkeitsbereich von Bedeutung ist:

Der Stundensatz hängt also im Endeffekt von verschiedenen Faktoren ab: Geschlecht, Alter, Erfahrung, Bereich, Lebenshaltungskosten, etc. Wie viel man letztendlich für sich selbst benötigt, muss jeder selbst entscheiden. Verschiedene Websites bieten sogar eine Stundensatz-Kalkulation an, wobei usepastel die meisten Faktoren mit einrechnet.

Wie kann man seinen Stundensatz erhöhen?

Selbst wenn man als Anfänger mit einem niedrigen Stundensatz startet, kann man ihn mit verschiedenen Faktoren erhöhen (pro Punkt bspw. +10€):

Um für seinen Lebensunterhalt einen angemessenen Stundensatz durchzusetzen, bedarf es einer gehörigen Portion Mut. Hierbei helfen Weiterbildungen, die das eigene Selbstvertrauen stärken. Sie sind auf jeden Fall eine Investition wert, denn langfristig gesehen zahlen sie sich wieder aus. Hab keine Angst davor, Aufträge abzulehnen, die unter Mindestlohn bezahlen, aber lass dich auch nicht entmutigen, wenn du momentan weniger als 91,05€/h verdienst. Schließlich hat jeder andere Ausgaben und muss erst genügend Erfahrung sammeln. Mit der Zeit wirst du lernen, deinen benötigten Stundensatz zu kalkulieren und diesen auch zu vertreten!

Quellen:

https://www.lead-digital.de/der-freelancer-kompass-was-verdient-eigentlich-ein-it-ler/

https://www.4freelance.de/blog/stundensatz-kalkulieren/

https://t3n.de/news/stundensatz-berechnen-freelancer-1105961/

https://www.gruenderszene.de/allgemein/freelancer-nachfrage?interstitial

https://www.yuhiro.de/stundensatz-it-freiberufler-programmierer/

https://lambertschuster.de/existenzgruender/stundensatz-kalkulation-fuer-freiberufler-und-selbstaendige/

https://t3n.de/news/freelancer-stundenlohn-auftragslage-868743/

https://www.selbstaendig-im-netz.de/selbstaendig/stundensatz-oder-festpreise-anbieten-so-rechnet-ihr-ab-und-meine-erfahrungen/

https://www.freelance.de/blog/freelancer-abrechnung-stundensatz-oder-projektverguetung/

https://fachinformatiker-anwendungsentwicklung.net/zusammensetzung-des-stundensatzes-haeufige-fragen-im-fachgespraech-anwendungsentwickler-podcast-47/

https://page-online.de/branche-karriere/stundenlohn-berechnen-tipps-fuer-designer/

https://www.unternehmer.de/gruendung-selbststaendigkeit/197060-diese-stundensaetze-erhalten-freiberufler

https://lillikoisser.at/stundensatz-freelance-texter/

https://kontist.com/posts/freelancer-stundensatz-berechnen

https://computerwelt.at/news/it-freelancer-kompass-2018-stundensatz-knackt-90-euro-marke/

https://www.freiberufler-blog.de/freelancer-marktstudie-2018-stundensatz-ueberschreitet-erstmals-90e/

https://t3n.de/news/freelancer-kompass-2018-so-steht-es-umdie-auftragslage-und-den-stundensatz-von-it-experten-1111392/